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Hate Speech

Stoppt digitales Mobbing

Hate Speech kann sich sehr direkt äußern, z. B. in eindeutig rassistischen oder sexistischen Beleidigungen und durch die Anstiftung zur Gewalt. Manchmal sind Äußerungen aber auch schwieriger einzuschätzen. Wie kann man Hassrede auch in ihren subtileren Spielarten erkennen? Anhand verschiedener Formen von Hate Speech werden exemplarisch zentrale sprachliche und inhaltliche Muster unter „Formen von Hate Speech“ vorgestellt, die für das Phänomen Hate Speech insgesamt typisch sind. Darüber hinaus wird im Themenbereich „Rechtslage“ erläutert, ob und in welchen Fällen Hate Speech strafbar ist. Informationen und Handlungsempfehlungen, um Gegenstrategien zu entwickeln, sowie konkrete Tipps für die (medienpädagogische) Arbeit mit Jugendlichen werden unter „Counter Speech“ vorgestellt. Unter dem Punkt „Hate Speech und Cyber-Mobbing“ wird darauf eingegangen, worin die Unterschiede zwischen den beiden Formen liegen.
Der klicksafe Themenbereich „Hate Speech“ basiert auf der Broschüre „Hate Speech – Hass im Netz –  Informationen für Fachkräfte und Eltern“ der Landesanstalt für Medien NRW und der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW (AJS) in Kooperation mit klicksafe.


Hass im Netz existiert nicht losgelöst vom analogen Leben, sondern greift reale Macht- und Diskriminierungsstrukturen auf, aus denen er sich speist. Zusätzlich lässt sich im Internet eine Art Enthemmungseffekt beobachten. Meinungen, die im realen Leben oft nur von einer Minderheit offen vertreten werden, sind mit wenigen Klicks veröffentlicht und finden im Internet eine große Bühne. Dahinter stehen nicht selten rechtsextreme Gruppen und Personen, die die Möglichkeiten des Internets für ihre Propaganda nutzen. Das fehlende direkte Gegenüber, die Möglichkeit, anonym zu bleiben, und das Wissen, kaum zur Rechenschaft gezogen zu werden, tragen weiter zur Enthemmung bei. Dabei wird nicht nur anonym gehetzt, sondern häufig auch ganz offen mit Klarnamen.


Diskriminierung aufgrund der geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung trifft auch transsexuelle, intersexuelle Personen und Transgender oder Homosexuelle. Hier sind Jugendliche in der Phase der Identitätsfindung besonders gefährdet, Opfer von Anfeindungen, Abwertung und kollektiver Gewalt zu werden. Die Übergänge zu Cyber-Mobbing sind fließend (siehe „Hate Speech und Cyber-Mobbing“).

Genauso verunsichert Jugendliche eine indirekte, allgemein gegen diese Gruppen gerichtete Hetze. Sie kann ihnen das Selbstwertgefühl nehmen, das sie gerade in dieser Phase für einen selbstbestimmten Umgang mit ihrem Körper und ihrer Sexualität brauchen. Zentrale Elemente homophober Hate Speech sind etwa Verschwörungstheorien einer staatlich forcierten Umerziehung, einer organisierten „Werbung“ für Homosexualität und einer mächtigen „Homo-Lobby“. Auch die Gleichsetzung des nicht Gleichsetzbaren – Homosexualität wird mit pädosexueller Kriminalität, Inzest oder Sodomie in Verbindung gebracht – ist ein zentrales Motiv von Hate Speech.


Sexismus bezeichnet die Diskriminierung und Abwertung von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts. Laut repräsentativer Studien des Bundesfamilienministeriums (2004) und der Europäischen Grundrechteagentur FRA (2014) erleben 50 bis 60 Prozent der Frauen in Deutschland dies in Form von sexueller Belästigung in der Öffentlichkeit, in Job und Schule oder im sozialen Nahraum – viele bereits ab dem Jugendalter.
Das Internet bildet hier keine Ausnahme. Gerade junge Nutzerinnen erleben dort häufig sexistische Angriffe. Dazu gehören degradierende Sprüche und sexuell explizite Beleidigungen, die Androhung oder Befürwortung sexualisierter Gewalt bis hin zur Veröffentlichung von echten oder auch digital manipulierten Nacktaufnahmen. Häufig treten die Drohungen in solch konzentrierter Form auf, dass von einer Verabredung der Hater zu einer Art „Hass-Gruppe“ auszugehen ist. Oft sind Frauen betroffen, die sich als Politikerin, Bloggerin, Aktivistin oder Journalistin politisch äußern. Sie erleben eine andere Art der Kritik als ihre männlichen Kollegen, werden häufiger anhand ihres Aussehens bewertet oder in ihrer sexuellen Integrität angegriffen. Bespielhaft dafür sei der Hass genannt, der der Journalistin Anja Reschke nach einem Tagesthemen-Kommentar über Fremdenfeindlichkeit in der Flüchtlingskrise entgegenschlug. (Kommentar „Dagegen halten – Mund aufmachen“, Tagesthemen 05.08.2015. Aufrufbar in der NDR-Mediathek.) 
Aber auch Mädchen und junge Frauen, die das Netz ganz alltäglich nutzen und zu Recht auch als ihren digitalen Lebensraum verstehen, können zur Zielscheibe sexistischer Hate Speech werden, sobald sie sich dort öffentlich äußern.


m Kontext der weltweiten Flüchtlingskrise und der damit verbundenen Debatte über Zu- und Einwanderung nach Deutschland haben rassistische Hassreden im Netz massiv an Intensität gewonnen. Das Internet wirkt hier wie ein Megafon: Die Anzahl der Hater mag (immer noch) relativ gering sein, ihre permanente Sichtbarkeit erweckt aber den Anschein einer breiteren Bewegung. Dies kann wiederum rassistischen Taten und rechtsextremen Gruppierungen im analogen Leben Auftrieb geben. 

Das ist auch indirekt möglich – beispielsweise durch die Verbreitung uninformierter oder falscher Aussagen, die rassistische Stereotype bedienen, wie die vom „Sozialschmarotzertum“. Rassistische Aussagen tarnen sich dabei nicht selten als Humor oder Ironie.

Zu den wiederkehrenden Motiven rassistischer Hate Speech gehört auch, Debatten über sexualisierte Gewalt gegen Frauen zu instrumentalisieren. In der Forderung „unsere Frauen“ vor „denen“ zu schützen, zeigt sich exemplarisch die für Hate Speech typische Wir/Die-Rhetorik. Lückenhafte Informationen, Gerüchte über Straftaten und eine einseitig rezipierte bzw. subjektiv gefilterte Berichterstattung in der eigenen Filterblase verdichten sich hier zu einem verschwörungstheoretischen Weltbild. Abweichend und differenziert berichtende Medien werden dann schnell zur „Lügenpresse“ degradiert.

Neben diesen eher indirekten Formen äußert sich Hate Speech in direkter Form im Aufruf zu konkreten Gewalttaten gegen Flüchtlinge oder nicht Herkunftsdeutsche. In beiden Formen – der direkten wie auch der indirekten – tragen Hassreden zu einem gesellschaftlichen Klima bei, das rassistischen und rechtsextremen Personen und Gruppierungen das Gefühl gibt, im Sinne und als Sprachrohr einer schweigenden Mehrheit zu handeln. Ein Gradmesser dieser Stimmung sind die aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamtes: Zwar gab es in 2017 deutlich weniger Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte als in den beiden Jahren zuvor, dennoch bleiben derartige Angriffe weiter Alltag. Insgesamt zählt das Bundeskriminalamt 264 Attacken, 251 mit klar rechtsradikalem Hintergrund. (Die Ergebnisse des internen BKA-Berichtes: www.tagesschau.de/inland/fluechtlingsunterkuenfte-137.html)

Quelle: Klicksafe

Weitere Informationen:

http://www.no-hate-speech.de

http://www.amadeu-antonio-stiftung.de ( http://www.belltower.news )

https://hateaid.org

http://www.hass-im-netz.info

http://www.love-storm.de

http://www.bildmachen.net

https://ichbinhier.eu

https://www.netzcourage.ch

https://nichtegal.withyoutube.com

https://www.klicksafe.de

Beschwerdestellen (MELDEN):
http://hateaid.org

https://www.juuuport.de/beratung

https://www.nummergegenkummer.de

http://www.jugendschutz.net

https://www.internet-beschwerdestelle.de/de/index.html